Keine Hypotheken und Bankkonten für Mitarbeiter der Cannabisbranche
Wenn Sie in den USA ein Haus kaufen möchten und zu den 428.000 Beschäftigten im aufstrebenden Cannabissektor gehören, müssen Sie unter Umständen mit zusätzlicher Überprüfung durch Finanzinstitute oder sogar einer kompletten Dienstverweigerung rechnen. Andere Probleme treten seltener auf, doch mindestens ein CEO eines Cannabisunternehmens berichtete, dass sein persönliches Girokonto geschlossen wurde – jenes, das er schon hatte, seit er mit acht Jahren für Nachbarn Rasen mähte.
Diese Schwierigkeiten entstehen, weil es einen Konflikt zwischen bundesstaatlichem und bundesweitem Recht gibt. Der Freizeitkonsum von Marihuana ist mittlerweile in fast zwei Dutzend Bundesstaaten legal, und in den meisten Staaten ist die medizinische Nutzung erlaubt. Allerdings ist die Substanz auf Bundesebene immer noch illegal.
Geschäftsinhaber und Führungskräfte stärker betroffen als Angestellte
Laut Steven Kemmerling von CRB Monitor, einem Beratungsunternehmen für die Cannabisbranche, erleben Menschen hier nach wie vor eine gewisse Diskriminierung, insbesondere wenn Sie zu den Entscheidern gehören.
In einem besonders krassen Beispiel wurde Jeffrey Herold, dem CEO eines Cannabisunternehmens aus Massachusetts, eine Hypothek verweigert – und das, als er und seine Frau gerade ihren alten Wohnsitz verkauft und ein neues Haus gekauft hatten. Sie mussten mehrere Wochen in einem Hotel verbringen, bis sie eine andere Lösung fanden – nämlich eine Hypothek auf den Namen der Ehefrau.
Doch auch ohne hohen Posten im Unternehmen können Sie auf ähnliche Probleme stoßen. Oder Sie müssen nicht einmal direkt mit Cannabis zu tun haben. Alles, was als „drogen“-bezogen gilt, kann für Banken kritisch sein, wie das Beispiel von Sophia Patten und ihrem Mann zeigt. Sie hatte bereits eine Hypothek erhalten, begann aber dann bei Workweek – einem Medienunternehmen, das wie viele andere über Cannabis berichtete. Das allein reichte schon, um den Deal platzen zu lassen. Am Ende mussten sie einen höheren Hypothekenzinssatz zahlen.

Keine schnelle Lösung in Sicht
Es gibt kein Gesetz, das Banken verbietet, Finanzdienstleistungen für Arbeitnehmer der Cannabisbranche zu erbringen. Allerdings sind Banken traditionell vorsichtig und bleiben im Geschäft, weil sie Risiken einschätzen und minimieren können. Für sie ist die Entscheidung, mit bestimmten Personen aus diesem Sektor keine Geschäfte zu machen, eine Form des Risikomanagements: Denn egal ob auf Bundesstaatenebene legal oder nicht, diese Tätigkeit ist auf Bundesebene definitiv verboten.
Es gibt im US-Kongress einen Gesetzesentwurf namens SAFE Banking Act, der Finanzinstitute schützen soll, falls sie mit Cannabisunternehmen zusammenarbeiten. Das Gesetz genießt parteiübergreifende Unterstützung und wurde in den letzten Jahren bereits sechsmal vom Repräsentantenhaus verabschiedet, ist aber jedes Mal im Senat gescheitert. Außerdem sagt Kemmerling: Selbst wenn das Gesetz beim nächsten Mal durchkommt, ist das keine Allzwecklösung. Um das Stigma und die Diskriminierung endgültig zu beseitigen, muss das Cannabisverbot auf Bundesebene aufgehoben werden.
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